Überlegungen und Fragen zur Wahl eines Pflegeplatzes
14. Oktober 2011 | Kategorie: Die Demenz meines Vaters
Bei Heimbesuchen Augen und Ohren aufhalten! Das ist das Wichtigste! Und fragen, fragen, fragen. Wenn die Heimleitung dort schon genervt ist und keine Zeit zum Zuhören hat, dann erlaubt das gewisse Rückschlüsse …
- Welchen Eindruck machen die Angestellten? Sind sie abgehetzt und gereizt oder können Sie mit kleinen Gesten auf die Heimbewohner eingehen?
- Wie ist die Bewertung des Heimes durch den MDK? Achtung bei schlechten Noten: Fragt genau nach ob und welche Gegenmassnahmen eingeleitet wurden. Die Bewertungen sind in der Regel an Infobrettern ausgehängt. Nicht einlullen lassen, prüfen!
- finden die Beschäftigungsprogramme statt? Schaut vor Eurem Rundgang mit der „Verkaufsperson“ auf den Programmplan. Auch die sind meistens aufgehängt und werden in der Regel stolz präsentiert. Beobachtet in den Abteilungen, ob die Programme wirklich durchgeführt werden. Wenn nicht, lasst Euch nicht mit Ausreden abspeisen – Ihr zahlt nachher für eine Leistung, die nicht erbracht wird!
- Gibt es Angehörigenzeiten, in denen sich die Heim- und Pflegeleitung den Fragen und Anliegen der Angehörigen stellt?
- Wie sind die Besuchszeiten? Besonders Angehörige, die noch im Arbeitsleben stehen, brauchen hier grosse Flexibilität
- Wie riecht es im Heim? Nach „Unfällen“ kann es immer mal nach Urin riechen, das ist unvermeidlich. Aber wenn ihr ein Heim mehrmals besucht und es riecht immer, ist das kein gutes Zeichen.
- Wie ist Euer Gefühl beim Betreten des Heimes? Werdet ihr freundlich Empfangen, ist man aufmerksam und hört Euch zu? Oder muss alles zackzack gehen? Zieht es Euch den Bauch schon am Eingang zusammen? Dann nehmt das ernst, aber gebt dem Heim auch eine Chance. Manchmal muss man genauer hinsehen um die Qualitäten zu entdecken.
- Geht zum Probeessen hin um die Qualität der Speisen beurteilen zu können. In den meisten Heimen können auch die Angehörigen gegen ein kleines Entgeld mitessen.
- Geht unangemeldet ins Heim und lauft einfach mal durch – wie ist es, wenn ihr keine Begleitung aus der Heimleitung habt?
- Sprecht mit Angestellten, oft bekommt man schnell ein gutes Gefühl für das Klima im Heim.
- Sind die Preislisten übersichtlich und transparent? Beachtet, dass ein Heimbewohner noch Zusatzleistungen braucht, die in der Regel nicht aufgelistet sind: Frisör, Fusspflege, bestimmte Therapien – diese Kosten kommen noch dazu. Nicht vergessen!
- Wie ist die Wäscherei organisiert? Das kann zum Dauerthema werden, wenn laufend Kleidungsstücke verschwinden und nachgekauft werden müssen. Fragt andere Angehörige nach ihren Erfahrungen.
- Redet mit Heimbewohnern und Angehörigen.
- Wie wird die Ernährung überwacht und die medizinische Versorgung gewährleistet? Das Heim meines Vaters ist dem Portal MeinGesundheitsbuch angeschlossen. Dort kann ich sogar von der Schweiz aus die Dokumentationen über meinen Vater einsehen. So bin ich auf dem Laufenden.
- Wie sind die Kündigungsfristen? In der Regel ist eine monatliche Kündigung möglich. Achtet darauf, vor allem, wenn ihr noch nicht sicher seid, ob es das richtige Heim ist.
- Wie ist der allgemeine Zustand der Heimbewohner? Sind sie gepflegt, gekämmt, ordentlich gekleidet? Oder muffelt es und alles ist verkleckst? Ich habe Verschiedenstes gesehen. Hier bitte gesunden Menschenverstand walten lassen. Auch ich kleckere mal – aber es gibt ein Mass in manchen Heimen, wo man spürt: Das geht für mich und meinen Angehörigen nicht mehr. Nehmt das ernst.
- Gibt es Einzelzimmer, werden Badezimmer mit mehreren Personen geteilt? Oft bietet ein Heim mehrere Varianten.
Demenzabteilungen
- Wie sind sie abgesichert, wie gross ist die Bewegungsfreiheit? Ist es eine geschlossene Abteilung, Chip-Überwacht, geschützt?
- Gibt es eine Möglichkeit für die Dementen an die Luft zu gehen? In vielen Heimen sind die Dementen in oberen Stockwerken untergebracht, und das ohne Balkon. Oben ist die Weglaufgefahr geringer! Aber es gleicht meinem Eindruck nach auch oft einer Art „Käfighaltung“. Entschuldigt dieses Wort hier. Die Vorstellung dass mein Vater den ganzen Tag vor verschlossenen Türen steht ist für mich unerträglich. Für Demente ohne Bewegungsdrang ist das vielleicht nicht so entscheidend.
- Dürfen die Dementen laufen oder werden sie ruhig gestellt. Oft zum „Eigenschutz“. Da muss jede Familie selbst entscheiden, was für sie stimmt. Wir haben darauf verzichtet. Mein Vater darf laufen bis er nicht mehr kann. Auch nachts. Er stürzt ab und zu auch. Das lässt sich nicht vermeiden. Aber wir empfinden es als würdevoller als ihn ruhig zu stellen.
- Die Flexibilität bei der Ernährung von Dementen ist oft wichtig, da der Appetit nachlässt. Wird darauf eingegangen?
Diese Liste ist wohl nicht vollständig. Bitte melde dich bei mir, wenn du sie mit weiteren Erfahrungen ergänzen kannst.