Hilfen und Unterstützung solange zuhause gepflegt wird
14. Oktober 2011 | Kategorie: Die Demenz meines Vaters
Einen geliebten Angehörigen in ein Pflegeheim zu geben, ist eine schwierige und schmerzhafte Entscheidung. Diese Entscheidung ist immer mit dem Gefühl des Scheiterns bei den Angehörigen verbunden. Das schlechte Gewissen schlägt zu. Da hilft es oft auch nichts, wenn man sich täglich sagt, ich habe es nicht mehr geschafft. Man wünschte sich doch, es hätte eine bessere Lösung gegeben.
Möglichkeiten die wir im Vorfeld angeschaut und zum Teil auch genutzt haben, waren:
- Der Krisendienst Berlin war uns eine grosse Stütze. Wir wurden hervorragend informiert über Adressen und Ansprechpartner. Diese Einrichtungen gibt es in vielen deutschen Grossstädten.
- Pflegestützpunkte: Sie beraten (angeblich umfassend) in Pflegesituationen und können Adressen vermitteln, helfen mit Formularen und Abklärungen. Das war zumindest die Erklärung die ich bekam. Den Pflegestützpunkt den wir gewählt haben, empfanden wir als wenig hilfreich. Wir erfuhren nichts Neues und informierten sogar die Dame beim Pflegestützpunkt über unsere Erfahrungen mit einzelnen Heimen. Hätte das nicht umgekehrt sein sollen? Ich möchte das auf keinen Fall verallgemeinern! Vermutlich hatten wir einfach Pech oder selbst schon vorher zuviel abgeklärt. Als erste Anlaufadresse sind die Pflegestützpunkte in jeder Stadt sicher gut.
- Sozialdienste in den Krankenhäusern: Sie helfen dann weiter, wenn euer Angehörige hospitalisiert ist und entlassen werden soll. Sie beraten, um den Übergang in die neue Situation zu erleichtern. Seien es nun unterstützende Massnahmen für die Pflege daheim oder die Suche nach einem Heimplatz. Sie suchen nicht selber, aber sie haben Adressen und Erfahrungen.
- Selbsthilfegruppen gibt es heute fast überall. Am besten über eine Suchmaschine in Kombination mit „Demenz“ und Eurem Wohnort suchen. Informationen und Unterstützung von anderen Betroffenen. Zum Teil haben Demenzgruppen auch Betreuungsangebote für eure Angehörigen, während ihr in der Selbsthilfegruppe seid.
- Hauspflegedienste helfen bei der Körperhygiene, Kochen und medizinischer Versorgung. In der Regel haben die Mitarbeiter vorgegebene Zeiten für die einzelnen Tätigkeiten. Wir hatten Hilfe für das Duschen meines Vaters (was oft trotz Hilfe nicht möglich war, weil mein Vater nicht wollte) und für die Körperhygiene am Abend. Ich fragte bei zwei Hauspflegediensten an, ob sie Leute vermitteln könnten, die zum Beispiel an vier Vormittagen pro Woche für vier Stunden kommen. Diesen Service bieten sie nicht. Ich bekam aber mehrmals bestätigt, dass der Bedarf bekannt ist, die gesetzlichen Grundlagen dafür fehlten und das Angebot auf dem Pflegemarkt der Nachfrage um etwa 10 Jahre hinterher hinkt.
- Betreuungsdienste basieren meistens auf Freiwilligenarbeit von Organisationen wie z. B. den Johannitern oder dem Roten Kreuz. Diese Leute kommen im Durchschnitt nur einmal pro Woche für maximal 2-3 Stunden. Das reicht, damit man mal kurz einkaufen gehen kann – eine wirkliche Entlastung ist so nicht zu erreichen. Die Kosten sind geringer als bei den Hauspflegediensten, gratis ist es aber nicht.
- Pflegekräfte aus Osteuropa: Der Monatslohn ist verhältnismässig gering, zum Teil günstiger als ein Heimplatz, die Pflegekräfte aber Kost und Logis frei haben. Oft scheitert es an den Wohnverhältnissen. Für viele Familien ist es aber auch eine optimale Lösung. Die Kräfte arbeiten acht Stunden am Tag und wechseln sich in unterschiedlich langen Zyklen ab. Gesetzlich gibt es im Moment noch einige Grauzonen. Die Transparenz der Vermittlungsagentur ist wichtig. Sinnvolle und stichhaltige Informationen habe ich bei Stiftung Warentest gefunden. Hier ist vor allem die korrekte Abwicklung mit den Sozialversicherungen wichtig. Da darf und soll man beim Vermittler nachfragen!
- Pflegekraft einstellen: Auch das ist eine Möglichkeit, selbst Arbeitgeber zu werden. Ich hatte das mit dem Arbeitsamt Spandau angeschaut. In solchen Fällen gibt es vereinfachte Abläufe um Firmennummern zu erhalten. Du kannst dann selbst definieren, wann Du Unterstützung brauchst, ob es ein Mann oder eine Frau sein soll und ob es eine Pfelgeausbildung braucht oder nicht. Das Arbeitsamt kann bei der Suche helfen. Entscheidend ist auch das Stundenpensum: Handelt es sich um einen 400-Euro-Job, einen Mini- oder Midijob? Für diese Kategorien gibt es auch reduzierte Abläufe im Umgang mit den Sozialversicherungen. Diese Beiträge und die Lohnsteuer müssen abgeführt werden. Genaue Informationen sind bei den lokalen Arbeitsämtern erhältlich. Bei uns kam es zu keinem „Probelauf“ mehr, da sich der Zustand meines Vaters so rapid verschlechterte, dass wir keine Wahl mehr hatten.
- Temporär-Vermittler können in der Regel nicht helfen. Meistens dürfen sie Temporärkräfte nur an Firmen und nicht an Privathaushalte vermitteln. Nachfragen kann im Einzelfall aber nichts schaden!
Häufig ist der tragende Pfeiler für die Pflege zuhause die Unterstützung der eigenen Familie, von Freunden und Nachbarn. Hier ist es eine konstante Herausforderung die Beziehungen nicht überzustrapazieren. Viele Menschen wenden sich ohnehin ab, wenn es um das Thema Krankheit geht. Viele Menschen haben Mühe sich mit Krankheit und Tod zu konfrontieren.
Die Beziehungen zu Familie und Freunden werden wieder ganz wichtig, wenn der Angehörige stirbt. Dann bricht das Lebenszentrum der Angehörigen weg, es entsteht eine Lücke, die gefüllt werden muss. Oft ist es in einer Pflegesituation nicht möglich, auch noch in Freundschaften zu investieren. Als Aussenstehender kann man sich das manchmal nicht vorstellen. Es ist auch eine Geldfrage. Ab einem bestimmten Stadium kann man Demente nicht mehr alleine lassen. Dann braucht man Betreuer und die müssen bezahlt werden. Bei knappen Renten liegt das oft nicht drin. So bricht der Sozialkreis weg und nach dem Tod der erkrankten Person ist es doppelt schwer.
Wenn du weitere Möglichkeiten für die Unterstützung und Pflege zuhause kennst und diesen Artikel ergänzen kannst, dann melde dich bitte bei mir.
Als Entscheidungsgrundlage für einen Platz in einem Heim stellte ich einige konkrete Tipps zur Heimwahl zusammen.